Angstpatient Behandlung

Der Gang zum Zahnarzt zählt in der Regel nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen. Um ihn auch für Angstpatienten möglichst angenehm zu gestalten, gibt es ein paar Hilfestellungen.

Seien wir ehrlich: Auf den Zahnarztbesuch freuen sich die wenigsten – selbst, wenn es nur zur Vorsorge ist. Etwa 60 Prozent verbinden hierzulande den Termin in der Zahnarztpraxis mit einem unguten Gefühl, was durchaus verständlich ist. Schließlich ist der Mundraum ein sensibles Sinnesorgan; das Schmerzempfinden an den Zähnen ist vergleichsweise groß. Daher bekommen viele Patienten und Patientinnen bereits beim Gedanken an die Zahnarztpraxis ein beklemmendes Gefühl.

Einige allerdings verbinden mit dem Zahnarzt gravierende Ängste – sie vermeiden die Behandlung vollständig. Zwischen fünf und zehn Prozent der Menschen in Deutschland leiden unter einer ausgeprägten Zahnarztangst beziehungsweise einer Dentalphobie. Die Verhaltensmuster sind häufig dieselben: Angstpatienten und -patientinnen schieben wichtige, regelmäßige Kontrolluntersuchungen lange vor sich her. Erst akute Zahnschmerzen oder sichtbare, ästhetische Zahnprobleme zwingen die Betroffenen dazu, einen Termin zu vereinbaren.

Das Problem: Aufgrund der Schädigungen ist meist eine komplexe Behandlung erforderlich – beispielsweise bei schwerer Karies oder einer Parodontitis. Ein einziger Termin reicht dann nicht mehr aus. Zudem können höhere Kosten anfallen, wenn sich die Zahnschäden nicht behandeln lassen und möglicherweise Zahnersatz erforderlich ist. Die Zahnarztangst vor dem nächsten Termin wird also wieder verstärkt – ein klassischer Teufelskreis!
Eine Dentalphobie kann viele Ursachen haben: von unangenehmen Kindheitserinnerungen bei der Zahnbehandlung über Schamgefühl wegen möglicher schlechter Zähne bis hin zur Angst vor Spritzen oder Schmerzen bei der Behandlung. Viele Betroffene haben auch das Gefühl die Kontrolle zu verlieren – sie fühlen sich auf dem Zahnarztstuhl ausgeliefert.

Wir haben nachfolgend zehn Tipps zusammengestellt, mit denen Betroffene einer Zahnarztphobie wirksam begegnen oder diese langfristig – gegebenenfalls mit professioneller Hilfe – in den Griff bekommen können.

1. Wählen Sie eine Zahnarztpraxis, der Sie vertrauen.

Weil die Angst vorm Zahnarzt häufig auftritt, kennen sich die meisten Zahnärzte und Zahnärztinnen sehr gut damit aus oder sind sogar auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert. Entscheidend ist in jedem Fall, dass ein Vertrauensverhältnis zur Praxis Ihrer Wahl besteht. Der behandelnde Arzt oder die Ärztin sollte Ihnen ruhig und empathisch zuhören und in die geplanten Behandlungsschritte einbeziehen. Das Gefühl, sich in buchstäblich guten Händen zu befinden, kann die Zahnarztangst bereits deutlich reduzieren.

2. Beschreiben Sie ehrlich, wie Sie sich fühlen.

Gestehen Sie Ihre Zahnarztangst vor sich selbst und vor anderen ein! Es handelt sich um ein weit verbreitetes Gefühl, für das Sie sich nicht schämen müssen. Es ist sinnvoll, Ihre Phobie direkt bei der Terminvereinbarung oder beim Ausfüllen des Anamnesebogens anzugeben und ehrlich zu den Menschen zu sein, die Sie behandeln sollen. Nur dann kann das gesamte Zahnarztpraxis-Team besonders rücksichtsvoll sein und Ihnen als Angstpatient oder -patientin entsprechend begegnen. Versuchen Sie, Ihre Ängste und mögliche Auslöser klar zu benennen und entsprechend zu kommunizieren.

3. Lernen Sie die Praxis schon vor einer Behandlung kennen.

Sie müssen sich nicht direkt beim ersten Termin behandeln lassen. Lernen Sie das Team und die Räumlichkeiten bei einem ersten Zahnarztbesuch kennen. Bauen Sie Vertrauen auf und informieren Sie das Praxisteam ehrlich darüber, dass Sie sich zunächst nur einen Eindruck verschaffen möchten.

4. Lassen Sie sich alle Behandlungsmethoden und Schritte verständlich erklären.

Wenn Ihnen alle Schritte nachvollziehbar erläutert werden, wissen Sie, welcher Teil nun folgt und ab wann Sie sich wieder entspannen können. Auch in die Entscheidung über mögliche unterschiedliche Behandlungsmethoden sollten Sie transparent eingebunden werden. Dies gibt ein sicheres Gefühl, denn niemand mag es im Unklaren gelassen zu werden – schon gar nicht, wenn es um den eigenen Körper geht!

5. Schieben Sie den Zahnarztbesuch nicht auf.

Bei einer Dentalphobie empfiehlt sich die Politik der kleinen Schritte. Heißt konkret: Stellen Sie sich vor, dass Sie völlig beschwerdefrei zu Ihren halbjährlichen Vorsorgeterminen gehen. Erfahrungsgemäß haben Sie ein deutlich besseres Gefühl, als wenn Sie bereits Schmerzen haben und ahnen, dass eine Zahnbehandlung notwendig wird. Auf diese Weise durchbrechen Sie Ihr Angstgefühl mit positiven Erfahrungen und der Gang in die Praxis wird zur neuen, angstfreien Routine.

6. Blenden Sie unangenehme Geräusche bewusst aus.

Das Geräusch eines Bohrers empfindet erfahrungsgemäß niemand als angenehm! Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin sollte Sie dabei unterstützen, diese Geräusche auszublenden und den Fokus auf Alternativen wie Musik oder einen Fernseher an der Decke zu lenken. In einigen Praxen können Sie bei Zahnarztangst auch eigene, beruhigende Wunschmusik hören. So bekommen Sie als Angstpatient weniger von der Außenwelt mit – Sie werden gelassener.

7. Behalten Sie stets die Kontrolle – auch auf dem Zahnarztstuhl.

Sie können sich während der Behandlung zwar nicht immer verbal äußern, aber Sie können per Handzeichen jederzeit signalisieren, dass Sie eine Pause brauchen. Das ist völlig normal – wer über längere Zeit den Mund zur Behandlung öffnet, kann schon mal verkrampfen. Vereinbaren Sie vorab ein Signal oder ein Zeichen, wenn Sie sich kurz entspannen oder die Muskulatur lockern möchten.

8. Lassen Sie sich von einer Vertrauensperson begleiten.

Zu zweit sind wir weniger ängstlich! Bringen Sie zum Zahnarztbesuch jemanden mit, dem Sie vertrauen wie beispielsweise eine gute Freundin oder ein guter Freund, den Partner oder die Partnerin oder ein Familienmitglied. Ihre Begleitung selbst sollte keine Angst vor dem Zahnarzt haben und Sie diesbezüglich positiv beeinflussen. Die Person Ihres Vertrauens kann sowohl im Wartezimmer auf Sie warten als auch mit in den Behandlungsraum kommen – stets mit beruhigendem Sichtkontakt in Ihrer Nähe!

9. Fragen Sie nach einem Betäubungsspray bei Spritzenangst

Sollte Ihnen insbesondere die Betäubungsspritze Angst machen, so kann ein Betäubungsspray helfen. Dieses wird in vielen Praxen standardmäßig eingesetzt und führt dazu, dass Sie an der entsprechenden Stelle nur Druck statt des klassischen Einstichschmerzes spüren.

10. Ziehen Sie eine Verhaltenstherapie in Erwägung.

Die Behandlung von Angststörungen gehört in die Hände von Spezialisten für Angsterkrankungen! Sofern Sie die Zahnarztangst an der Wurzel packen und den Ursachen auf den Grund gehen möchten, kann eine gezielte Verhaltenstherapie in Frage kommen. Die Verhaltenstherapeuten und -therapeutinnen vermitteln Ihnen beispielsweise adäquate Entspannungstechniken, mit denen Sie die Angst durchbrechen können.
Da die Angst vor dem Zahnarzt viele Menschen betrifft, können entsprechende Verhaltenstherapien unter Umständen von der Krankenkasse bezahlt werden. Die Nachfrage bei Ihrer Krankenversicherung nach der Kostenübernahme für die Behandlung einer Zahnarztphobie kann sich also lohnen!