Amalgamfüllung entfernen: Das sollten Sie vorher wissen

Zuletzt bearbeitet: 28. Februar 2024

Autor: Lieblings-Zahnarzt

Lesedauer: 4 Minuten

Etwa 30 Prozent der Füllungen bestehen hierzulande aus Amalgam. Doch der Trend zum früheren Standardmaterial ist rückläufig.

Jeder Dritte in Deutschland hat sie und viele möchten sie entfernen lassen: die Amalgamfüllung. Seit Jahrzehnten verwendet und zu 100 Prozent von der Krankenkasse bezahlt, zählt sie in zahlreichen Zahnarztpraxen auch heutzutage noch zur Standard-Füllung. Doch Amalgam enthält Quecksilber, ein giftiges Schwermetall. Eben deshalb möchten viele Menschen die silbergrauen Füllungen gegen Alternativen wie Keramik oder Komposit austauschen lassen.

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt? Was müssen sowohl Patienten als auch Ärzte beachten und ist die Entfernung der Füllungen möglicherweise sogar schädlicher, als sie im Mundraum zu lassen?

Was ist Amalgam und wofür wird es eingesetzt?

Die klassische Amalgamfüllung ist eine Legierung aus Quecksilber, Silber, Kupfer und Zinn. Es ist das am längsten verwendete Füllungsmaterial in der Zahnmedizin. Es wird seit mehr als 100 Jahren eingesetzt. Aktuell ist Amalgam wegen seines günstigen Preises als Regelleistung für eine Füllungstherapie verankert, sprich die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Die silbergrauen Füllungen sind besonders für ausgedehnte und schwer zugängliche Kariesdefekte im Bereich der Backenzähne geeignet. Amalgam ist sehr haltbar und kann dem hohen Kaudruck langfristig gut standhalten. Wegen des Anteils an Quecksilber wird Amalgam jedoch kontrovers diskutiert. Zwar gibt es bislang keine Beweise dafür, dass Amalgam das Krebsrisiko erhöht oder andere gesundheitliche Beschwerden auslöst. Dennoch sind gemäß Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KBZV) die Zahlen für Zahnamalgam als Füllungsmaterial rückläufig.

Da Quecksilber ab einer gewissen Menge sowohl giftig für den Menschen als auch umweltschädlich ist, prüfen die zuständigen Stellen, ob Amalgam langfristig verboten wird. Gemäß EU-Quecksilberverordnung dürfen bereits seit 2018 Amalgamfüllungen nicht mehr für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren verwendet werden. Für sie sind Kunststofffüllungen (Komposit) als zuzahlungsfreie Kassenleistung verfügbar. Einige Zahnarztpraxen verzichten aus Überzeugung auf Amalgam oder Zement und bieten Kompomer-Füllungen für kleinere Restaurationen an den Zähnen als kostenfreie Kassenfüllung an.

Wann sollten Amalgamfüllungen entfernt werden?

Zahnfüllungen zu entfernen, ist stets eine individuelle und medizinische Entscheidung. Patienten und Patientinnen sollten diese mit dem Zahnarzt beziehungsweise der Zahnärztin ihres Vertrauens ausgiebig besprechen.

  1. Gesundheitliche Beschwerden: Kopfschmerzen, Müdigkeit oder andere Symptome, bei denen ein Zusammenhang mit – möglicherweise beschädigten Amalgamfüllungen – vermutet wird, sollten beim persönlichen Termin in der Zahnarztpraxis besprochen werden.
  2. Zahnärztliche Empfehlung: Erfahrene Zahnärzte und Zahnärztinnen können anhand von Untersuchungen und Röntgenaufnahmen beurteilen, ob eine Entfernung der Amalgamfüllungen notwendig ist. Dies kann bei beschädigten Füllungen, Karies oder bei porösen Stellen in der Amalgamfüllung notwendig sein.
  3. Ästhetische Gründe: Durch die silbergraue Farbe entspricht Amalgam im Mundraum nicht den ästhetischen Gesichtspunkten für schöne Zähne. Daher möchten viele Menschen aus optischen Gründen ihre Füllungen ersetzen lassen. Es gibt keine einhellige Meinung darüber, ob Amalgam aus ästhetischen Aspekten entfernt werden sollte. Auch hier empfiehlt sich das offene Gespräch mit dem behandelnden Zahnarzt.

Ist es schädlich, Amalgamfüllungen zu entfernen?

Die Frage nach der Schädlichkeit der Amalgamentfernung beschäftigt viele Patienten. Hier sind einige wichtige Aspekte, die es bei der Entfernung von Zahnfüllungen mit Quecksilberanteil zu beachten gilt:

Professionelle Beratung
Eine sorgfältige Untersuchung und eine umfassende Beratung helfen, mögliche Risiken abzuwägen und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.
Röntgenaufnahmen und Untersuchungen
Vor der Entfernung werden Röntgenaufnahmen gemacht, um den Zustand der Amalgamfüllungen gründlich zu untersuchen. Dies ermöglicht eine genaue Planung des Entfernungsprozesses.
Schutzmaßnahmen für Patient und Personal
Während des Entfernungsprozesses stehen geeignete Schutzmaßnahmen zur Verfügung, um eine Freisetzung von Amalgampartikeln in den Körper zu verhindern. Spezielle und allgemeine Absaugvorrichtungen helfen dabei, jegliche Exposition zu minimieren. Auch Augen und Atemwege der Patienten werden vor den austretenden Quecksilberdämpfen geschützt.
Präzise Technik beim Entfernen von Amalgam
Mittels spezieller Bohrtechnik entfernt der Zahnarzt die Amalgamfüllung in größeren Stücken, um die Freisetzung von Quecksilberdämpfen zu minimieren. Sobald die Füllung entfernt ist, wird der Zahn gründlich gereinigt und für die neue Füllung vorbereitet.
Professionelle Entsorgung der Füllungen
Amalgamfüllungen müssen fachgerecht entsorgt werden, um Umweltauswirkungen zu vermeiden. Die Zahnarztpraxis stellt sicher, dass dies unter Einhaltung aller Umweltauflagen erfolgt.
Verwendung von Ersatzmaterialien
Nach der Entfernung bieten moderne, zahnfarbene Füllungsmaterialien, beispielsweise aus Kunststoff oder Keramik, eine ästhetische und funktionelle Alternative. Gemeinsam mit dem Zahnarzt werden die besten Materialien für das jeweilige Patientenbedürfnis ausgewählt und im Vorfeld der Behandlung sorgfältig abgewogen.

Amalgamfüllungen entfernen: ja oder nein?

Während etwa 30 Prozent der Füllungen in Deutschland aus Amalgam bestehen, zeigt der rückläufige Trend eine steigende Sensibilisierung für mögliche Risiken, insbesondere durch den Quecksilberanteil. Bei der Frage, ob Amalgamfüllungen entfernt werden sollten, müssen stets individuelle Bedürfnisse und gesundheitliche Aspekte sorgfältig abgewogen werden. Die Gründe für die Entfernung von Amalgam können vielfältig sein: von gesundheitlichen Beschwerden bis hin zu ästhetischen Überlegungen.

In jedem Fall sollten Patienten und Patientinnen einen Beratungstermin in der Zahnarztpraxis ihres Vertrauens vereinbaren, um Nutzen und Risiken zu besprechen.
Mittels modernster Technik und entsprechender Schutzmaßnahmen können heutzutage Amalgamfüllungen sicher entfernt werden. Die Praxen entsorgen das Material anschließend professionell. Hochwertige Ersatzmaterialien wie Kunststoff oder Keramik tragen dazu bei, langfristig mögliche Umweltauswirkungen zu minimieren und gleichzeitig ästhetische Ansprüche zu erfüllen.

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Autor: Lieblings-Zahnarzt

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