Parodontitis: Welche Folgen hat sie für Herz, Gehirn und Körper?

Dr. Eva-Maria Prey

Autorin: Dr. Eva-Maria Prey

Veröffentlicht am: 30. Januar 2023

Zuletzt aktualisiert: 5. Oktober 2026

Lesedauer: 13 Minuten

Die chronische Entzündung des Zahnhalteapparats kann negative Auswirkungen für den gesamten Körper haben. Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit den Auswirkungen von einer Parodontitis auf den Körper. Nicht alle liefern belegbare Ergebnisse.

Parodontitis und Allgemeingesundheit: Die Grundlagen

Was ist Parodontitis?

Ist Parodontitis gefährlich für den ganzen Körper?

Für die Mundgesundheit ist die Parodontitis eindeutig gefährlich. Sie ist der Hauptgrund für Zahnverlust bei Erwachsenen. Darüber hinaus zeigen Studien seit Jahren, dass Menschen mit Parodontitis häufiger an bestimmten Allgemeinerkrankungen leiden. Am besten untersucht ist der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit Diabetes. Bei Diabetes beeinflussen sich beide Erkrankungen gegenseitig. Weniger gesichert sind die Hinweise auf Demenzerkrankungen.

Wie hoch das Risiko im Einzelfall ist, hängt vom Schweregrad der Parodontitis, von weiteren Risikofaktoren und von bestehenden Vorerkrankungen ab. Eine unbehandelte Parodontitis bedeutet eine dauerhafte Entzündung im Körper. Allein deshalb sollte sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Wie kann eine Parodontitis den Körper beeinflussen?

Ist Parodontitis Ursache oder Begleiter anderer Erkrankungen?

Parodontitis oder Zahnwurzelentzündung: Was ist der Unterschied?

Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Erhöht Parodontitis das Risiko für einen Herzinfarkt?

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Parodontitis und Schlaganfall?

Was ist eine Endokarditis und wer ist besonders gefährdet?

Senkt eine Parodontitis-Behandlung das Herz-Kreislauf-Risiko?

Diese Frage ist für viele Betroffene die wichtigste. Nach aktuellem Stand ist sie nicht eindeutig zu beantworten. Als gesichert gilt, dass die erfolgreiche Behandlung einer Parodontitis Effekte in der Blutbahn und an den Gefäßen erzeugt, die nach heutigem Kenntnisstand mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen.

Welche Rolle spielen Herzmedikamente für Zähne und Zahnfleisch?

Viele Herz- und Blutdruckmedikamente wirken sich auch auf den Mundraum aus.

Sollte ich bei Parodontitis gleichzeitig meine Herzgesundheit prüfen lassen?

Eine Parodontitis allein ist kein Grund für einen Termin in der kardiologischen Praxis. Sinnvoll ist es aber, die bekannten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Körpergewicht hausärztlich prüfen zu lassen, wenn das länger nicht geschehen ist. Die DG PARO empfiehlt, dass Patient:innen, Zahnarztpraxen und Hausarzt- beziehungsweise kardiologische Praxen eng zusammenarbeiten, sobald eine der beiden Erkrankungen festgestellt wird.

Umgekehrt gilt: Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, sollte sein Zahnfleisch regelmäßig untersuchen lassen und die Zahnarztpraxis über Diagnose und Medikamente informieren. Beide Erkrankungen verursachen anfangs oft keine Beschwerden und werden deshalb häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt.

Parodontitis und Alzheimer: Was die Forschung zeigt

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Alzheimer?

Können Parodontitis-Bakterien ins Gehirn gelangen?

Kann eine Parodontitis-Behandlung vor Demenz schützen?

Zahnpflege bei Demenz: Worauf sollten Angehörige achten?

Unabhängig von der Frage nach der Ursache wird die tägliche Mundpflege mit fortschreitender Demenz schwieriger. Betroffene vergessen das Zähneputzen, können die Handgriffe nicht mehr sicher ausführen oder Schmerzen nicht mehr mitteilen. Entzündungen im Mund bleiben dadurch leicht unbemerkt.

Tipps für Angehörige und Pflegende:

Parodontitis und weitere Erkrankungen

Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz wird Parodontitis mit weiteren Allgemeinerkrankungen in Verbindung gebracht.

Parodontitis erkennen und vorbeugen

Woran erkenne ich eine Parodontitis?

Vorbeugen lässt sich vor allem durch…

  • Zweimal täglich gründliches Zähneputzen inkl. Reinigung der Zahnzwischenräume
  • Regelmäßige Kontrollen in der Zahnarztpraxis
  • Professionelle Zahnreinigung
  • Verzicht auf Rauchen
  • Ein gut eingestellter Blutzucker bei Diabetes

Besonders wichtig ist eine engmaschige Kontrolle für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhtem Endokarditis-Risiko oder Diabetes sowie bei familiärer Vorbelastung. Informieren Sie Ihre Zahnarztpraxis über Vorerkrankungen und Medikamente, damit sich die Vorsorge auf Ihr persönliches Risiko abstimmen lässt.

Fazit: Welche Rolle spielt Parodontitis für die Gesundheit?

Eine Parodontitis ist zunächst eine Erkrankung des Zahnhalteapparats, die unbehandelt fortschreitet und zu Zahnverlust führen kann. Darüber hinaus ist sie gut belegt mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden. Ob sie diese Erkrankungen mitverursacht, ist noch nicht abschließend geklärt. Für Alzheimer gibt es interessante Hinweise, einen Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang aber bislang nicht.

Unser Rat aus der Praxis: Lassen Sie sich von offenen Forschungsfragen nicht verunsichern, nehmen Sie aber die Warnzeichen ernst. Zahnfleischbluten ist kein harmloser Alltagsbefund, sondern oft das erste Zeichen einer Entzündung. Wird eine Parodontitis früh erkannt und konsequent behandelt, lässt sie sich zum Stillstand bringen. Wenn Sie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes haben oder regelmäßig Medikamente einnehmen, informieren Sie Ihre Zahnarztpraxis darüber. So lässt sich Ihre Vorsorge gezielt auf Ihr persönliches Risiko abstimmen.

Wenn Sie Anzeichen einer Parodontitis bemerken oder zu einer der genannten Risikogruppen gehören, sprechen Sie uns gerne am Lieblings-Praxis-Standort Ihrer Wahl an. Gemeinsam prüfen wir den Zustand Ihres Zahnfleischs und besprechen, welche Vorsorge oder Behandlung in Ihrem Fall sinnvoll ist.

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