Schlechte Zähne durch vegane Ernährung – Fakt oder Vorurteil?

Dr. Eva-Maria Prey

Autorin: Dr. Eva-Maria Prey

Veröffentlicht am: 23. Oktober 2024

Zuletzt aktualisiert: 6. März 2026

Lesedauer: 5 Minuten

Die Zahl an Menschen in Deutschland, die sich vegan ernähren, steigt. Doch wie wirkt sich der Trend auf die Zahngesundheit aus?

Was bedeutet vegane Ernährung?

Vollständig vegan zu leben bedeutet, in der Ernährung sowie bei Kleidung und Kosmetik auf tierische Produkte zu verzichten. Auf dem Speiseplan werden Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig vermieden. Stattdessen stehen pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen im Mittelpunkt. Die Gründe für eine vegane Lebensweise sind vielfältig: Viele Menschen entscheiden sich aus ethischen Überlegungen für den Veganismus, um Tierleid zu vermeiden. Andere tun es aus gesundheitlichen Gründen oder um die Umwelt zu schützen. – Immerhin werden tierische Lebensmittel mit hohem Ressourcenaufwand produziert. Für viele ist Veganismus keine Ernährungsweise, sondern vielmehr eine umfassende Lebensphilosophie.

Wie wirkt sich vegane Ernährung auf die Zähne aus?

Die Zahngesundheit schützen – Tipps bei veganer Ernährung

  • Nicht auf fluoridhaltige Zahnpasta verzichten
    Auch bei einer pflanzenbasierten Ernährung sollte regelmäßig fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden. Fluorid hilft, den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säuren zu machen, die vor allem durch den Verzehr von Fruchtsäften und säurehaltigen Lebensmitteln entstehen.
  • Nach zucker- und säurehaltigem Essen oder Trinken mit dem Zähneputzen warten
    Lebensmittel wie Früchte, Fruchtsäfte oder zuckerhaltige Snacks können den Zahnschmelz schwächen. Direktes Zähneputzen nach dem Verzehr kann den Zahnschmelz zusätzlich abtragen. Es ist besser, vor dem Zähneputzen etwa 30 Minuten zu warten. In der Zwischenzeit kann der Speichel helfen, die Säuren zu neutralisieren und den Zahnschmelz zu remineralisieren. Ein Schluck Wasser nach dem Essen oder Trinken kann ebenfalls hilfreich sein, um die Säuren zu verdünnen.
  • Vorsorge und Zahnreinigung beim Zahnarzt
    Gute Zahnpflege hin oder her: Die regelmäßige Kontrolle sowie die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt sind trotzdem unerlässlich! Zudem können Anzeichen für Zahnprobleme durch eine vegane Ernährung – wie beispielsweise Zahnerosion oder durch Vitaminmangel bedingte Zahnfleischentzündung – frühzeitig erkannt werden.
  • Regelmäßiges Überprüfen der Nährstoffversorgung
    Um einem möglichen Nährstoffmangel vorzubeugen, sollten sich Veganer gut über alternative Lebensmittel informieren. Auch ein Besuch beim Hausarzt kann sinnvoll sein. Ein Bluttest stellt fest, ob ein Mangel an Vitamin B12, Vitamin D oder Kalzium vorliegt, der im schlimmsten Fall zu schlechten Zähnen oder anderen Krankheiten führen könnte.

Mangelerscheinungen durch vegane Ernährung vorbeugen

Wer vegan leben möchte, sollte insbesondere auf die nötige Zufuhr von Kalzium, Vitamin D und Vitamin B12 achten. Zudem ist es wichtig, die tägliche Verzehrmenge an säure- und zuckerhaltigen Lebensmitteln zu beschränken.

Kalzium:
Kalzium ist essenziell für starke Zähne und den Zahnschmelz. Ein Mangel an Kalzium kann den Zahnschmelz schwächen und das Risiko für Karies und Zahnerosion erhöhen. Da Veganer keine (Kuh-)Milchprodukte konsumieren, müssen sie darauf achten, ihren Kalziumbedarf über pflanzliche Quellen wie Brokkoli, Grünkohl, Tofu, Mandeln, Chiasamen und angereicherte Pflanzenmilch zu decken.
Vitamin D:
Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium effektiv aufzunehmen. Da die Hauptquellen für Vitamin D oft tierischer Herkunft sind (wie Fisch oder Milchprodukte), besteht bei Veganer ein höheres Risiko für Vitamin-D-Mangel. Vitamin D kann durch Sonnenlicht, angereicherte Produkte (z. B. Pflanzenmilch oder Säfte) oder Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden. Ein Mangel an Vitamin D kann zu einer schlechten Mineralisierung der Zähne führen, was die Anfälligkeit für Karies erhöht.
Vitamin B12:
Vitamin B12 spielt eine wichtige Rolle für die Zellregeneration und die Gesundheit des Zahnfleisches. Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und einer Verschlechterung der allgemeinen Mundgesundheit führen. Da es fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt, können Veganer an einem Mangel leiden, wenn sie keine Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherten Lebensmittel konsumieren.

Allgemein gilt: Wer sich vegan ernähren möchte, sollte sich gut über passende vegane Lieferanten für die wichtigsten Nährstoffe informieren. Hülsenfrüchte, Getreide oder Nüsse beispielsweise liefern wichtige Proteine und Eisen, Brokkoli oder Grünkohl enthalten viel Kalzium.

Gut informieren und bewusst essen: vegan leben

Eine vegane oder vegetarische Ernährung kann zahlreiche gesundheitliche Vorteile bieten. Sie erfordert jedoch besondere Aufmerksamkeit, wenn es um die Zahngesundheit geht. Durch den bewussten Umgang mit Nährstoffen wie Kalzium, Vitamin B12 und Vitamin D sowie einer sorgfältigen Mundhygiene lassen sich potenzielle Risiken für die Zähne minimieren. Fluoridhaltige Zahnpasta, regelmäßige Zahnarztbesuche und der richtige Umgang mit säure- und zuckerhaltigen Lebensmitteln sind entscheidend, um Zahnprobleme zu vermeiden. Mit der richtigen Planung und Vorsorge können Veganer und Vegetarier ihre Zahngesundheit genauso gut erhalten wie Menschen, die tierische Produkte konsumieren.


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