Gesunde Ernährung für die Zähne: Was wir wissen sollten

Dr. Eva-Maria Prey

Autorin: Dr. Eva-Maria Prey

Veröffentlicht am: 21. Dezember 2022

Zuletzt aktualisiert: 2. Juni 2026

Lesedauer: 9 Minuten

Zuviel Zucker schadet unseren Zähnen – das ist so gut wie jedem klar. Doch Zucker steckt nicht nur in Süßigkeiten. Zahlreiche vermeintlich gesunde Getränke und Lebensmittel gelten als versteckte Zuckerfalle. Zudem spielen Säuren und unsere Snackgewohnheiten insgesamt eine wichtige Rolle.

Gute Lebensmittel für gute Zähne – wie wichtig sind Vitamine und Co.?

  • Fluorid: Ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil von Zahnpasta. Auch Lebensmittel wie Fisch, Pilze, Walnüsse sowie schwarzer und grüner Tee bieten dem Körper dieses Spurenelement. Es legt sich wie ein Schutzschirm über den Zahn und schützt den Zahnschmelz vor Säureangriffen.
  • Kalzium: Dieser Mineralstoff ist essenziell für die Festigkeit von Knochen und Zahnhartsubstanz. Daher spielen Milchprodukte wie Naturjoghurt oder Käse – besonders bei der Ernährung von Kindern – eine wichtige Rolle.

Mit dem richtigen Essen gleichzeitig die Zähne pflegen – geht das?

Zahngesunde Süßigkeiten – worauf müssen wir achten?

Für die Zahngesundheit ist Wasser die beste Wahl. Ungesüßte Tees sind ebenfalls geeignet. Problematisch sind dagegen zuckerhaltige und saure Getränke wie Softdrinks, Energydrinks, Fruchtsäfte oder Eistee. Besonders schädlich ist es, wenn solche Getränke über längere Zeit in kleinen Schlucken konsumiert werden. Dann sind die Zähne dauerhaft im Säureangriff. Säure kann den Zahnschmelz aufweichen und ihn anfälliger machen.

Das Problem: Säuren schaden den Zähnen ebenso wie Zucker. Deshalb sollten Fruchtsäfte, Zitrusfrüchte, Salat mit Essig-Dressing oder alkoholische Getränke wie Wein ebenso wie zuckerlastige Produkte in Maßen konsumiert werden. Wer säurehaltige Getränke oder Speisen zu sich genommen hat, sollte außerdem mit dem Zähneputzen etwa 30 Minuten warten. So kann sich der Zahnschmelz zunächst wieder etwas stabilisieren.

Versteckter Zucker – welche Produkte sollten wir meiden?

Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln – auf einen Blick

LebensmittelTypischer ZuckergehaltBezugsmengeHinweis
Fruchtjoghurtca. 13 – 15 g100 gManche Produkte liegen deutlich höher; einige Becher erreichen rund 20 g pro Portion
Knuspermüslica. 22 – 23 g100 gDeutlich höherer Zuckergehalt als Müslimischungen mit Haferflocken. Der Grund: Das Müsli wird häufig mit Zucker- bzw. Sirup gebacken und verarbeitet
Ketchupca. 5 – 27 g100 mlZuckergehalt stark von Marke abhängig. Einige Sorten enthalten deutlich mehr Zucker als andere Marken.
Fertigsaucenca. 5 – 15 g100 mlÄhnlich wie beim Ketchup stark abhängig von der Marke
Tiefkühlpizzaca. 3 – 5 g100 gZucker ist hier meist nicht der Hauptbestandteil, kann aber in Teig und Sauce enthalten sein – i.d.R. als Geschmacksverstärker / Träger
Müsliriegelca. 20 – 30 g100 gZucker verbirgt sich häufig hinter Glukosesirup, Gerstenmalz, Fructose oder Maltodextrin
Kinder-Quetschiesca. 11 bis 18 g100 gEchte Zuckerfallen aufgrund des hohen Fruchtzuckers. Enthalten mehr Zucker als Cola

Gerade versteckte Zuckerquellen machen es schwer, den eigenen Zuckerkonsum richtig einzuschätzen. Wer sich zahngesund ernähren möchte, sollte deshalb nicht nur auf Süßigkeiten verzichten, sondern auch die Zutatenliste und Nährwertangaben von verarbeiteten Lebensmitteln beachten.

Nährwertkennzeichnung Nutri-Score – eine Hilfe beim Einkauf?

Seit einigen Jahren begegnet uns beim Einkaufen immer häufiger ein farbiges Ampel-System auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen: der Nutri-Score. Dieses freiwillige Kennzeichnungssystem bewertet die Nährwertqualität von verarbeiteten Produkten auf einer fünfstufigen Skala von A (dunkelgrün = günstig) bis E (dunkelorange = weniger günstig).

Ein wissenschaftlicher Algorithmus verrechnet hierbei positive Eigenschaften (wie einen hohen Anteil an Ballaststoffen, Proteinen, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten) mit ungünstigen Faktoren (Energiegehalt, gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker). Doch hilft dieses System auch beim Schutz unserer Zähne? Die Antwort: Ja, aber in Maßen. Für die Zahngesundheit ist der Nutri-Score besonders dann nützlich, wenn es um den Vergleich von Produkten innerhalb einer Gruppe geht. Ein Produkt mit einem besseren Nutri-Score enthält oft weniger Zucker und ist deshalb häufig die bessere Wahl. Trotzdem ersetzt der Nutri-Score keine genaue Prüfung der Zutatenliste. Gerade bei verarbeiteten Lebensmitteln lohnt sich ein genauer Blick, denn auch ein vermeintlich günstiger Score sagt nicht alles über die zahnfreundliche Wirkung eines Produkts aus.

Die Vorteile für die Zahngesundheit

Da ein hoher Zuckergehalt die Bewertung eines Lebensmittels drastisch verschlechtert, weisen Produkte mit einem „grünen“ Nutri-Score (A oder B) in der Regel deutlich weniger Zucker auf. Gleichzeitig belohnt das System ballaststoffreiche Lebensmittel, welche wiederum das Kauen fördern und den wertvollen Speichelfluss anregen. Der Nutri-Score hilft somit auf den ersten Blick, innerhalb einer Produktgruppe (z. B. bei Frühstücksflocken oder Joghurts) die zuckerärmere und damit zahngesündere Variante herauszufiltern.

Ein positiver Nebeneffekt: Um schlechte Bewertungen zu vermeiden, überarbeiten viele Hersteller ihre Rezepturen und reduzieren den Zuckergehalt – ein Gewinn für die Allgemein- und Zahngesundheit.

Grenzen des Systems

Entscheidungshilfe dienen. Der Algorithmus bewertet lediglich die Nährstoffbilanz, lässt jedoch Faktoren wie den Verarbeitungsgrad, künstliche Zusatzstoffe oder den konkreten Säuregehalt außen vor. So kann ein helles Toastbrot aufgrund minimaler Fett- und Zuckerwerte ein „A“ erhalten, liefert den Zähnen jedoch kaum wertvolle Nährstoffe und klebt beim Kauen langandauernd in den Zahnfurchten (Fissuren). Umgekehrt wird fettreicher Käse oft mit einem „D“ abgestraft, obwohl er dank seines hohen Kalzium- und Caseingehalts nachweislich den Zahnschmelz schützt und remineralisiert.

Tipp aus der Zahnarztpraxis: Nutzen Sie den Nutri-Score als schnellen Wegweiser, um versteckten Zucker zu meiden. Werfen Sie im Zweifel aber immer einen Blick auf die Zutatenliste und die detaillierte Nährwerttabelle auf der Rückseite.

Gesundes Essen für die Zähne – Tipps für den Alltag

Zahngesunde Ernährung muss nicht kompliziert sein. Schon kleine Gewohnheiten können helfen, die Zähne langfristig zu schützen:

  • Wasser als Standardgetränk wählen.
  • Süßigkeiten eher zu den Mahlzeiten essen als zwischendurch.
  • Häufiges Snacken vermeiden.
  • Auf versteckten Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln achten.
  • Säurehaltige Getränke und Snacks reduzieren.
  • Kauaktive Lebensmittel in den Alltag integrieren.
  • Nach sauren Speisen mit dem Zähneputzen warten.

Eine zahngesunde Ernährung bedeutet nicht Verzicht, sondern bewusste Auswahl. Weniger Zucker, weniger Säure, weniger Snacks und mehr frische, nährstoffreiche Lebensmittel – das ist die beste Grundlage für gesunde Zähne und ein starkes Zahnfleisch.

Fazit: Das kleine Einmaleins der zahngesunden Ernährung

Das Grundprinzip einer zahnfreundlichen Ernährung ist tatsächlich unkompliziert: Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, Zucker sowie säurehaltige Lebensmittel bewusst und in Maßen genießt und auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitaminen achtet, schafft die perfekte Basis. Der Nutri-Score kann dabei eine zusätzliche Orientierung im Alltag bieten, ersetzt aber nicht den Blick auf Zutatenliste und Ernährungsgewohnheiten. Entscheidend bleibt eine ausgewogene Ernährung mit möglichst wenig zahnschädigenden Reizen.

In Kombination mit einer gründlichen Mundhygiene – regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta, der Nutzung von Zahnseide und dem Kontrolltermin bei Ihrem Lieblings-Zahnarzt – haben unsere Zähne die Chance, stark, strahlend und gesund zu bleiben – idealerweise bis ins hohe Alter.

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