Zahnpasta selber machen – eine gute Idee?

Dr. Eva-Maria Prey

Autorin: Dr. Eva-Maria Prey

Veröffentlicht am: 24. September 2025

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2025

Lesedauer: 6 Minuten

Ob mit Kokos, Natron oder Zitrone: Das Internet ist voll von Rezepten, um Zahnpasta zu Hause herzustellen. Doch wie gut schützt die DIY-Zahncreme unsere Zähne?

Was ist besonders wichtig?

Kann man Zahnpasta selber machen?

  • Putzkörper (Abrasivstoffe): Winzige Polierpartikel (z.B. Kieselsäure oder Kreide) helfen, weiche Zahnbeläge und Verfärbungen abzuschmirgeln. Entscheidend sind jedoch Menge und Korngröße. Sind die Partikel zu grob oder überdosiert, besteht Abriebgefahr für den Zahnschmelz. Industriezahncremes nutzen daher exakt abgestimmte Partikelgrößen und Konzentrationen, um Zähne zu reinigen, ohne sie zu schädigen. Bei eigener Mischung „nach Augenmaß“ lässt sich das kaum gewährleisten – zu viel Schleifmittel kann die Zähne regelrecht abschleifen.
  • Schaumbildner: Schaumbildende Tenside (wie z.B. mildes Sodium Lauryl Sulfate) sorgen dafür, dass die Paste im Mund schön schäumt. Der Schaum verteilt die Wirkstoffe besser an alle Zahnflächen und vermittelt ein Frischegefühl, das zum gründlicheren Putzen motiviert. Studien zeigen sogar, dass gewisse Schaumbildner das Zahnfleisch gesund halten. DIY-Rezepte verzichten oft darauf – der selbstgemixte Brei schäumt kaum, was laut Expert:innen aber die Reinigungsleistung mindern kann.
  • Weitere Wirkstoffe: Moderne Zahnpasten haben oft zusätzliche Zusätze für spezielle Bedürfnisse. Zink kann bakterielles Wachstum hemmen und gegen Plaque und Zahnfleischentzündung wirken. Hydroxylapatit (ein dem Zahnschmelz nachempfundenes Mineral) kann winzige Defekte im Schmelz auffüllen und die Zahnoberfläche glätten. Solche High-Tech-Zusätze tragen zur Mundgesundheit bei – DIY-Mischungen enthalten sie nicht.

Neben diesen Wirkstoffen sorgen Feuchthaltemittel wie zum Beispiel Glycerin dafür, dass die Paste nicht eintrocknet. Aromen und Süßstoffe wie Pfefferminzöl und Xylit verleihen einen angenehmen Geschmack, während Konservierungsstoffe die Zahnpasta haltbar machen.

Ist selbstgemachte Zahnpasta gut für die Zähne?

Risiken: Fluorid-Verzicht und Hausmittel im Check

Wenn wir uns bewusst machen, wie ausgefeilt moderne Zahnpasta zusammengesetzt ist, wird schnell klar: Mit ein paar Küchenzutaten lässt sich diese Schutzwirkung kaum nachbauen. Das größte Problem ist der Verzicht auf Fluorid. – Ohne diesen wirksamen Kariesschutz steigt das Risiko für Löcher erheblich. Dazu kommen die Tücken beliebter Hausmittel:

  • Zitronensaft ist extrem sauer und greift den Zahnschmelz direkt an.
  • Weitere Zusätze wie Aktivkohle oder Kurkuma sind ebenfalls problematisch – zu abrasiv oder verfärbend.

Fakt ist: Was natürlich klingt, ist nicht automatisch zahnfreundlich. Wer seine Zähne langfristig gesund halten möchte, sollte deshalb nicht auf bewährte, medizinisch geprüfte Inhaltsstoffe verzichten.

Ist selbst gemachte Zahnpasta sinnvoll?

Wie lange hält sich selbstgemachte Zahnpasta?

Gut zu wissen: Im Gegensatz zu industriell hergestellter Zahnpasta enthält die DIY-Variante keine Konservierungsstoffe. Dadurch verdirbt sie schneller und kann ein Nährboden für Keime und Bakterien werden. Je nach Zusammensetzung liegt die Haltbarkeit oft nur bei wenigen Tagen bis höchstens zwei Wochen, wenn die Paste im Kühlschrank aufbewahrt wird. Ein längerer Gebrauch erhöht das Risiko von Verkeimungen. Wer dennoch experimentieren möchte, sollte kleine Mengen anrühren, saubere Gefäße verwenden und die Zahnpasta regelmäßig entsorgen.

Fazit: DIY-Zahnpasta – lieber mit Vorsicht genießen

Zahnpasta selbst herzustellen kann ein spannendes Experiment und ein Statement für Nachhaltigkeit sein. Doch aus zahnmedizinischer Sicht überwiegen die Nachteile. Ohne Fluorid und geprüfte Zutaten fehlt der Karies-Schutz, und ungeeignete Hausmittel können dem Zahnschmelz schaden.

Wer seine Zahnpflege nachhaltiger gestalten möchte, findet bessere Alternativen: Bio-Zahnpasta in verschiedenen Geschmäckern, fluoridhaltige Produkte in nachhaltiger, plastikfreier Verpackung oder feste Zahnpasta-Tabs.

Der gelegentliche Griff zur selbstgemachten Paste ist sicherlich unbedenklich. Zahnärztliche Vorsorge und gründliches Putzen mit Fluorid-Zahncreme bleiben jedoch auch in Zeiten von Social-Media-DIY-Trends das A & O für gesunde Zähne und gepflegtes Zahnfleisch.

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