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Von Der Polizistin Zur ZFA

Von der Polizistin zur ZFA

Sandra Groddeck war in ihrem Beruf als Polizistin unglücklich. Als sie die Möglichkeit bekam, eine Ausbildung zur ZFA zu machen, änderte sich ihr Leben.

Artikel ist ursprünglich in der “WIR in der Praxis, Heft 5/18, Springer Medizin Verlag” erschienen.

Liebe Frau Groddeck, die Ausbildung zur Polizistin war nicht Ihre Wahl, sondern die einer Freundin. Was würden Sie Personen raten, die sich unsicher in ihrer Berufswahl sind?
Sandra Groddeck: Jeder sollte dieses Thema, auch wenn es im jugendlichen Alter schwer fällt, ernst nehmen. Vor allen Dingen sollte man sich nicht so sehr von anderen beeinflussen lassen, sondern auf sich selbst hören. Im Zweifel einfach mehrere Sachen ausprobieren. Den richtigen Beruf hat man gefunden, wenn es Spaß macht, zur Arbeit zu gehen. Sie hatten schon während Ihrer Zeit als Polizistin Interesse an Medizin.

Waren es von Beginn an Zähne oder wäre Krankenschwester auch eine Option gewesen?
Groddeck: Ursprünglich wäre auch Krankenschwester eine Option für mich gewesen. Letztendlich bin ich durch Zufall in die Zahnmedizin gerutscht; es ist gar nicht so einfach, als aktive Polizistin den zukünftigen Arbeitgeber von der Ernsthaftigkeit der beruflichen Absichten zu überzeugen.

Haben Sie jemals daran gedacht, Ärztin oder Zahnärztin zu werden?
Groddeck: Daran habe ich anfangs auch gedacht. Diesen Gedanken habe ich dann schnell wieder verworfen, da mich ein langes Studium auch aus finanziellen Gründen eher abgeschreckt hat. Sie waren sehr hartnäckig – 80 Bewerbungen. Daran sehe ich, dass Sie diesen Beruf wirklich erlernen wollten bzw. dass es Berufung gewesen sein muss!

Aber wieso waren so viele Bewerbungen nötig? Oder ist das der Regelfall?
Groddeck: Das war eine schwierige Zeit voller Zweifel. Ich hatte das Gefühl, dass mich keiner haben will. Nach end- losen Vorstellungsgesprächen hatte ich den Eindruck, dass diese nur aufgrund von Neugier stattfanden. Welche Beamtin möchte schon ihren sicheren Beruf auf- geben, um auf dem freien Markt zu arbeiten, dazu noch eine Ausbildung starten? Niemand hat mich und meinen Entschluss also wirklich ernst genommen. Aber letztendlich wurde meine Hartnäckigkeit belohnt und ich bekam einen Ausbildungsplatz in einer kleinen Zahnarztpraxis in der Nähe von Karlsruhe. Vielen Dank!

Wie haben Sie letztendlich den Zahnarzt davon überzeugt, dass Sie es ernst meinen mit der Ausbildung?
Groddeck: Ich denke ich habe mit der hohen Anzahl der Bewerbungsgespräche eine Art lockere Routine entwickelt. Zudem konnte ich mit immer mehr vorab erworbenem Fachwissen punkten. Nach einem mehrwöchigen Praktikum hatte ich meinen zukünftigen Ausbilder dann entgültig überzeugt.

Nach Ihrer Ausbildung zur ZFA: War die Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin immer Ihr Ziel oder hätten Sie sich auch vorstellen können, in der Verwaltung bzw. als Praxismanagerin zu arbeiten?
Groddeck: Der direkte Kontakt zum Patienten im Behandlungszimmer hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Natürlich hätte ich mir auch eine Fortbildung in der Verwaltung vorstellen können, aber mein Favorit war und ist die praktische Tätigkeit in der Prophylaxe/Parodontologie.

Der Alltag in der Zahnarztpraxis ist unseren Leserinnen wohl bekannt. Aber nicht der bei der Bundespolizei. Wie lief dort ein typischer Arbeitstag ab?
Groddeck: Ich war zwei Jahre der Einsatzhundertschaft unterstellt. Der All- tag dort gestaltete sich recht unterschiedlich, vom Bereitschaftsdienst bis hin zu wochenlangen Einsätzen wie der Begleitung von Castor-Transporten. Regelmäßige Sporteinheiten gehörten genauso dazu wie intensives Schießtraining.

Stichwort „Schießtraining“: Schießen ist ja nicht sehr alltäglich in Deutschland und auch eher ungewöhnlich. Besitzen Sie noch eine Waffe? Üben Sie noch regelmäßig oder haben Sie es aufgegeben?
Groddeck: Zugegebenermaßen war das Schießtraining eine der wenigen Sachen, die mir bei der Polizei wirklich Spass gemacht haben. Trotzdem habe ich mir nie Gedanken gemacht, dies als Hobby weiterhin auszuführen und besitze auch keine Waffe. Für mich haben diese im privaten Bereich auch nicht zu suchen.

Hätten Sie bei der Bundespolizei auch eine Ausbildung zur ZFA machen können, wie es bei der Bundeswehr möglich ist?
Groddeck: Das war für mich keine Option. Ich wollte ein ganz „normales“ Berufsleben und wollte vor allem selbst entscheiden, in welcher Stadt ich arbeite; denn als Bundespolizistin kann man in ganz Deutschland eingesetzt werden.

Wie schwierig war es für Sie, die Entscheidung für die Ausbildung zu treffen?
Groddeck: Ich hatte ein Schlüsselerlebnis während einer Streifenfahrt. Mein Kollege fragte mich damals, warum ich immer diese Medizinbücher lese. Da hat es bei mir „klick“ gemacht; endlich wusste ich, was ich wollte.

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich für die Ausbildung zur ZFA entschieden haben?
Groddeck: Das Schicksal wollte es wohl so, dass mir nur eine einzige Praxis eine Chance gegeben hat, und das war nunmal eine Zahnarztpraxis. Eigentlich waren die Zähne nicht meine erste Wahl. Aber schnell wurde mir klar, hier gehöre ich hin und hier will ich bleiben!

Wie sind Sie mit den Gehaltseinbußen zurecht- gekommen? Als Polizistin mit Beamtengehalt verdient man doch sicherlich mehr als eine ZFA in der Ausbildung.
Groddeck: Das war recht schwierig und eine Zeit voller Bescheidenheit: Ohne die Unterstützung von Familie und Freunden hätte ich das nicht geschafft!

ZFA ist Ihr Lieblingsberuf – was machen Sie am liebsten? Was gefällt Ihnen am meisten?
Groddeck: Ich liebe einfach diesen persönlichen Kontakt zu den Patienten; neben der fachlichen Komponente höre ich mir auch immer wieder gerne die Sorgen und Nöte der Patienten an. Mit der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin habe ich mein persönliches Ziel erreicht. Ich liebe es, wenn ein Patient mir nach ei- ner aufwendigen Parodontitisbehandlung dankend die Hand schüttelt. Das macht mich glücklich und gibt mir das Gefühl, etwas zu bewegen, etwas zu verbessern.

Vermissen Sie manchmal die Bundespolizei?
Groddeck: Nein. Bundespolizistin war für mich einfach nicht die richtige Berufswahl. Auch wenn das viele Menschen nicht nachvollziehen können, habe ich diesen Schritt noch nie wirklich bereut und habe seit meinem Branchenwechsel endlich das Gefühl, angekommen zu sein.

Welcher ZFA empfehlen Sie die Weiterbildung zur DH?
Groddeck: Jeder ZFA, die sich für Prophylaxe/Parodontologie interessiert, kann ich nur dringend empfehlen, diese Fortbildung zu absolvieren. Das gute Gefühl, die bestmögliche Ausbildung auf diesem Gebiet zu haben, ist unbezahlbar.

Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis, der oder das Ihnen immer in Erinnerung bleiben wird?
Groddeck: Während meiner DH- Fortbildung in München behandelte ich einmal das stark parodontal geschädigte Gebiss einer älteren Patientin. Zum Kontrolltermin einige Tage später schenkte sie mir ein Paar selbst gestrickte Socken mit den Worten: „Sie machen einen verdammt guten Job.“ Das hat mich wirklich sehr bewegt und stolz gemacht; die Socken trage ich übrigens immer noch gerne.

Zum Schluss: Gibt es etwas, was Sie noch hinzufügen möchten? Oder etwas, was Sie unseren Leserinnen mit auf den Weg geben wollen?

Groddeck: Ich kann nur jedem empfehlen, bei der Berufswahl auf sich selbst zu hören und sich nicht so sehr von anderen beeinflussen zu lassen. Wenn man bedenkt, dass man die meiste Zeit des Lebens mit Arbeit verbringt, sollte diese Spaß machen. Man sollte das Gefühl haben, das richtige zu machen.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Dr. Natalie Margraf.

 

 

 

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